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Ich war nie zu wenig…

Warum wir unseren Wert nicht finden müssen, sondern wieder fühlen dürfen.


„Du musst dich zuerst selbst lieben, bevor du einen anderen Menschen wirklich lieben kannst.“

Kaum ein Satz begegnet uns heute häufiger. Er findet sich in Büchern, Podcasts, auf Social Media und in unzähligen Coachings. Er klingt motivierend. Hoffnungsvoll. Fast wie eine unumstößliche Wahrheit.

Und dennoch beschäftigt mich dieser Satz schon seit einiger Zeit.

Nicht, weil ich glaube, dass Selbstliebe unwichtig wäre. Im Gegenteil. Sondern weil ich mich frage, was dieser Satz in einem Menschen auslöst, der sich ohnehin schon nicht gut genug fühlt.

Vielleicht hört dieser Mensch nämlich gar nicht „Sei liebevoll mit dir.“ Sondern vielmehr: „Dann bin ich wohl noch nicht so weit. Mit mir stimmt noch etwas nicht. Ich muss zuerst an mir arbeiten, bevor ich liebenswert bin.“ Und genau dort beginnt etwas, das wir oft übersehen.

Aus einer liebevoll gemeinten Botschaft entsteht unbewusst der nächste Leistungsauftrag. Selbstliebe wird zu einem weiteren Punkt auf der endlosen Liste der Selbstoptimierung.

Vielleicht liegt genau darin eines der größten Missverständnisse unserer Zeit. Nicht die Selbstliebe selbst ist das Problem. Sondern die Art, wie sie manchmal vermittelt und vermarktet wird – als wäre sie ein Zustand, den wir möglichst schnell erreichen müssten.

Doch Gefühle entstehen nicht auf Knopfdruck. Liebe lässt sich nicht erzwingen und schon gar nicht unter Druck.

Vielleicht leiden wir deshalb gar nicht an einem Mangel an Selbstliebe. Vielleicht haben wir vielmehr den gefühlten Zugang zu unserem eigenen Wert verloren. Oder besser gesagt: Wir haben ihn nie verloren – wir konnten ihn nur lange nicht mehr fühlen.

Unterschiedliche Geschichten – dieselbe Frage

In den letzten Monaten durfte ich viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Anliegen begleiten: Verlustangst, Erschöpfung, Panik, Selbstzweifel, Beziehungsthemen, innere Unruhe oder das Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Manche wollten lernen, Grenzen zu setzen. Andere wünschten sich mehr Selbstvertrauen. Einige litten unter Eifersucht oder dem Gefühl, nie wirklich gewählt worden zu sein.

Auf den ersten Blick hatten all diese Menschen völlig unterschiedliche Geschichten. Doch je tiefer wir gemeinsam schauten, desto häufiger begegneten wir derselben stillen Frage: Bin ich genug? Genug, um geliebt zu werden. Genug, um gesehen zu werden. Genug, um wichtig zu sein. Genug, auch wenn ich Fehler mache. Genug, einfach weil ich bin.

Je länger ich Menschen begleiten darf, desto mehr entsteht in mir der Eindruck, dass hinter vielen Symptomen dieselbe Sehnsucht verborgen liegt. Nicht die Sehnsucht nach Perfektion. Nicht die Sehnsucht nach Erfolg. Nicht einmal die Sehnsucht nach Glück. Sondern die Sehnsucht, den eigenen Wert wieder zu spüren.

Glaubenssätze sind mehr als Gedanken

Ein Glaubenssatz ist viel mehr als ein negativer Gedanke. Er ist eine emotional verankerte Überzeugung, die aus Erfahrungen, Begegnungen und Momenten des Nicht-Gesehen-Werdens entstanden ist. Unser Gehirn speichert sie nicht nur als Erinnerung, sondern verbindet sie mit Gefühlen, Körperempfindungen und Schutzstrategien. Vielleicht fällt es uns deshalb so schwer, einen Glaubenssatz einfach „wegzudenken“. Er ist nicht nur ein Gedanke, sondern eine Erfahrung, die sich tief in unserem Erleben verankert hat.

Deshalb genügt positives Denken allein oft nicht. Genau deshalb beginnt Veränderung für mich nicht beim Denken, sondern beim Verstehen. Nicht beim Verurteilen. Sondern beim neugierigen Hinschauen. Mit der Frage: „Wie bin ich eigentlich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin?“ Denn Persönlichkeitsentwicklung beginnt für mich dort, wo wir unser Leben neugierig auf uns selbst begleiten.

Wenn Selbstliebe zum nächsten unerreichbaren Ideal wird

Manchmal frage ich mich, ob wir aus der Selbstliebe ungewollt ein neues Ideal geschaffen haben. Etwas, das erreicht werden soll. Etwas, das gelernt werden muss. Etwas, das möglichst schnell beherrscht werden soll. Was hört ein Mensch, der tief in sich glaubt, nicht gut genug zu sein? Vielleicht nicht „Du darfst freundlicher mit dir sein.“ Sondern „Nicht einmal Selbstliebe schaffe ich.“

Und damit beginnt ungewollt die nächste Spirale. Noch mehr an sich arbeiten. Noch mehr Bücher lesen. Noch mehr Seminare besuchen. Noch mehr optimieren. Dabei bestätigen wir unbewusst jeden Tag denselben Glaubenssatz: „So wie ich heute bin, genüge ich noch nicht.“

Dabei geht oft vergessen, dass Liebe – auch die zu uns selbst – nicht unter Druck entsteht. Sie wächst dort, wo wir beginnen, uns mit Neugier statt mit Bewertung zu begegnen. Vielleicht beginnt der Weg deshalb gar nicht mit Selbstliebe. Vielleicht beginnt er mit Selbstbegegnung.

Ich war nie zu wenig

In all den Hypnosesitzungen, die ich bisher begleiten durfte, hat mich eine Erkenntnis immer wieder tief bewegt. Je mehr Menschen ich begleiten durfte, desto klarer wurde mir: Ich habe noch nie erlebt, dass einem Menschen der Selbstwert fehlte. Was fehlte, war der Zugang zu ihm.

Der Selbstwert war nicht verschwunden. Er war auch nicht kaputt. Er musste nicht neu erschaffen werden. Er war da. Manchmal kaum noch spürbar. Oft tief verborgen. Überlagert von schmerzhaften Erfahrungen, Glaubenssätzen und Schutzstrategien. Es war, als hätte das Leben den eigenen Wert Schicht für Schicht zugedeckt. Nicht weil er verschwunden wäre. Sondern weil der Mensch irgendwann aufhören musste, ihn zu fühlen, um mit seinem Schmerz leben zu können.

Plötzlich verändert sich die Frage. Nicht mehr: „Wie werde ich endlich genug?“ Sondern: „Was hat mich glauben lassen, dass ich es nicht bin?“

Heilung beginnt nicht in dem Moment, in dem wir etwas Neues erschaffen. Sondern in dem Moment, in dem wir beginnen, das wiederzuentdecken, was die ganze Zeit in uns vorhanden war. Ich gebe niemandem seinen Selbstwert zurück. Ich darf lediglich einen sicheren Raum begleiten, in dem dieser Mensch sich selbst wieder begegnen kann. Vielleicht war unser Wert nie verloren. Vielleicht konnten wir ihn nur lange nicht mehr fühlen.

Warum Fühlen so entscheidend ist

Verstehen ist wichtig. Es schafft Bewusstsein. Es hilft uns, Zusammenhänge zu erkennen. Doch viele Menschen kennen ihre Kindheit, ihre Trigger und ihre Glaubenssätze – und trotzdem verändert sich im Alltag erstaunlich wenig. Warum? Weil Verstehen und Fühlen zwei unterschiedliche Ebenen sind.

Unser Verstand kann etwas längst begriffen haben. Während unser Nervensystem noch immer auf Alarm geschaltet ist. Während unser Körper die alte Anspannung speichert. Während unser Unterbewusstsein dieselben Erfahrungen immer noch als Wahrheit erlebt. Wissen verändert unser Leben nur selten. Erfahrungen tun es. Erst wenn unser Gehirn, unser Körper und unser Nervensystem eine neue Erfahrung machen dürfen, kann aus einer Erkenntnis langsam eine neue innere Wahrheit entstehen.

Vielleicht brauchen wir deshalb nicht nur neue Gedanken. Vielleicht brauchen wir neue Erfahrungen. Nicht um die Vergangenheit auszulöschen. Sondern um ihr etwas Neues hinzuzufügen. Eine Erfahrung von Sicherheit. Von Mitgefühl. Von Verbundenheit. Von innerer Ruhe.

Das VerbindungsWerk – wenn die Zahnräder wieder ineinandergreifen

Genau diese Erkenntnisse haben mich über die Jahre zum VerbindungsWerk geführt. Nicht als Methode. Sondern als Haltung. Mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass Veränderung selten auf nur einer Ebene geschieht. Ich sehe den Menschen wie ein Uhrwerk. Mit vielen Zahnrädern. Jedes Zahnrad erfüllt seine eigene Aufgabe.

Das Bewusstsein hilft uns zu verstehen. Der Körper hilft uns zu spüren. Das Nervensystem entscheidet, ob wir uns sicher fühlen. Das Unterbewusstsein bewahrt unsere emotionalen Erfahrungen. Und das Energiesystem erinnert uns daran, dass wir Menschen mehr sind als unsere Gedanken. Erst wenn diese Zahnräder wieder ineinandergreifen, entsteht das, wonach sich so viele Menschen sehnen: Verbindung. Nicht nur im Kopf. Nicht nur im Körper. Sondern im ganzen Menschen.

Für mich bedeutet VerbindungsWerk deshalb nicht, einen Menschen zu verändern. Sondern ihn dabei zu begleiten, wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen.

Hypnose und Nervensystem – eine sanfte Brücke

Genau hier setzt therapeutische Hypnose für mich an. Nicht weil sie besser ist als andere Therapieformen. Sondern weil sie für mich eine wunderbare Brücke bildet. Eine Brücke zwischen Wissen und Erleben. Zwischen Kopf und Herz. Zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Zwischen Verstehen und Fühlen.

In meiner Arbeit haben Gespräche einen festen Platz. Sie schaffen Klarheit und helfen, Zusammenhänge zu erkennen. Die traumasensible Körperarbeit zeigt uns, was der Körper oft schon lange erzählt, bevor Worte da sind. Und die Arbeit mit dem Nervensystem schenkt uns etwas ganz Wesentliches: Sicherheit. Denn Veränderung geschieht selten dort, wo wir unter Druck stehen. Sie geschieht dort, wo wir uns sicher genug fühlen, Neues zu erleben.

Therapeutische Hypnose verbindet all diese Ebenen miteinander. Nicht indem sie etwas „wegmacht“. Nicht indem sie Erinnerungen löscht. Sondern indem sie einen geschützten Raum entstehen lässt, in dem neue Erfahrungen möglich werden. Vielleicht zum ersten Mal das Gefühl, sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen. Vielleicht zum ersten Mal die Erfahrung, dass das innere Kind nicht mehr allein ist. Vielleicht zum ersten Mal tiefe innere Ruhe. Oder einfach das leise Gefühl: Ich bin genug. Nicht weil wir uns das einreden. Sondern weil wir beginnen, es wieder zu fühlen.

Unser Gehirn und unser Nervensystem sind ein Leben lang lernfähig. Sie können neue Verbindungen knüpfen. Neue emotionale Erfahrungen abspeichern. Neue innere Bilder entstehen lassen. Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke der Hypnose. Nicht etwas Neues zu erschaffen. Sondern den Zugang zu etwas wieder zu öffnen, das schon immer da war. Genau das berührt mich in jeder einzelnen Sitzung aufs Neue. Ich erlebe nicht, wie Menschen zu jemand anderem werden. Ich erlebe, wie sie beginnen, sich selbst wiederzufinden.

Vielleicht beginnt Heilung mit Selbstbegegnung

Vielleicht suchen wir alle nach derselben Antwort. Nicht danach, wie wir endlich genug werden. Sondern danach, wieder in Verbindung mit uns selbst zu kommen. Mit dem Teil in uns, der trotz aller Erfahrungen nie aufgehört hat, wertvoll zu sein.

Vielleicht beginnt Heilung deshalb nicht mit Selbstliebe. Vielleicht beginnt sie mit Selbstbegegnung. Mit Neugier. Mit Verständnis. Mit Mitgefühl. Mit dem Mut, auch den verletzten Anteilen in uns die Hand zu reichen.

Vielleicht wachsen wir deshalb nicht, indem wir immer mehr werden. Vielleicht wachsen wir, indem wir immer weniger gegen uns selbst kämpfen. Vielleicht bedeutet Heilung nicht, jemand anderes zu werden. Vielleicht bedeutet sie, sich selbst immer vollständiger zu begegnen. Mit den Stärken. Mit den Verletzungen. Mit den Schutzstrategien. Mit den Ressourcen. Mit allem, was zu uns gehört.

Und vielleicht bedeutet bedingungslose Liebe zu uns selbst am Ende gar nicht, sich jeden Tag großartig zu fühlen. Vielleicht bedeutet sie einfach, sich selbst nicht mehr zu verlassen.

Denn vielleicht warst du nie zu wenig. Vielleicht konntest du es nur lange nicht mehr fühlen.

 
 
 

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